Musical und Thriller mit wild spritzendem Blut geht nicht? Stimmt! Donnerstag war Premiere in Taipei von Sweeney Todd: The Demon Barber Of Fleet Street. Tim Burton dreht mit Johnny Depp den mittlerweile sechsten Film zusammen und man muss sich einfach Fragen: Hätte sich ohne diese Namen soviele Menschen an die Kinokasse gedrängelt?
Im Viewshow in Ximen setzte man sicherheitshalber noch eine große Bühne auf die Straße und ließ dort zur Premiere ein paar verkleidete Schauspieler die Geschichte des Films erzählen: 15 Jahre saß Benjamin Barker grundlos im Gefängnis, der zuständige Richter hat sich in der Zeit um seine Frau „gekümmert“ inklusiver kleine Tochter. Herr Barker zieht nach seiner Ankunft in London wieder ins alte Haus der Vermieterin Mrs. Lovett ein, die im Untergeschoß liebevoll Meat Pies mit Kakerlaken herstellt. Barker nimmt seinen Barber Job wieder auf, nennt sich Sweeney Todd und killt aus Rache alle möglichen Leute möglichst blutig, schmeißt sie dann in die Fleischpresse und Frau Lovett macht daraus leckere Meat Pies. Irgendwann sind dann alle tot und der Film zu Ende.
Was man den Schauspielern zu Gute halten muss, sie können wirklich singen. Einen Johnny Depp hätte ich das so nicht zugetraut. Wirklich mehr als die Hälfte der Dialoge sind gesungen und man kann sich da auch gut dran gewöhnen. Was ich aber doch etwas sehr übertrieben finde, ist der wenig sparsame Umgang mit Blutspritzern. Bewundernswert ist dabei wie unterschiedlich das Blut aus der Pulsschlagader am Hals spritzen kann, wo der Schnitt doch immer der Selbe ist. Kommt schon fast an Kill Bill ran. Für mich war die tollste Szene, als Mr. Sweety Toad aka Johnny Depp stramm stehenden einen Kunden zuruft: „At your service!“ Hatte was von Captain Jack Sparrow, aber das Image will er ja ablegen (schade!). Leider wirkt er in einigen Szenen etwas zu schlaksig. Die Übersetzung ins Deutsche stelle ich mir außerdem sehr schwer vor, einmal muss man wirklich gute Sänger finden und zum Anderen auch noch die Texte sinngemäß umschreiben. Schade, dass die zweite Storyline nicht richtig aufgelöst wird, wär ja auch zu viel Happy End gewesen…
Wem schon immer in Musicals der Einsatz von Blut zu kurz kam oder mal einen Thriller mit singenden Schauspielern erleben will, dem sei der Film empfohlen. Allen anderen sollten sich vielleicht einfach die Musical Vorstellung direkt anschauen und aufs Kino verzichten. Echte Thriller Fans werden hier eh nicht das Erhoffte finden. Deutschlandstart: 21.02.2008
Übrigens ging die Bühnenshow bis um 19.30 Uhr, um die Uhrzeit sollte eigentlich der Film los gehen. Wenn man nun einen Kinosaal für über 1000 Leute hat, der größte in dem ich je war, aber nur eine schmale Treppe, da kann man sich vorstellen das es etwas dauert bis alle Leute ihre Sitze gefunden haben. Der Film ging entsprechend etwas später los und lief fast 2 Stunden. Da war die Bühne auf der Straße aber schon wieder abgebaut, denn im auf- und abbauen sind die Taiwanesen wirklich schnell.
PS: 4 months, 3 weeks, 2 days nicht im Original gucken! (rumänisch mit französischen und chinesischen Untertiteln, ich konnte noch nie so gut im Kino schlafen)
PPS: Den Film am besten gar nicht gucken! 95% der Männer wird er null ansprechen und 50% der Frauen werden ebenfalls keine Wertung über Schulnote 4 vergeben. Diese Umfrage war nicht repräsentative!
Das Musical ist die Operette der Moderne.
Du musst für solch ein Genre sittlich sehr gefestigt sein. Toll, dass du das augenscheinlich ohne therapeutische Hilfe überstanden hast.
Von: €ulenspiegel am 23 Januar, 2008
um 2:55